02.Jul2013
20. Sozialerhebung des Deutschen Studentenwerks zur sozialen und wirtschaftlichen Lage der Studierenden in Deutschland liegt vor.

24,4 Jahre alt sind Studierende im Durchschnitt. 82 % besuchen regelmäßig eine Mensa oder Cafeteria. 864 Euro haben Studierende im Durchschnitt monatlich zur Verfügung. 5 % sind Eltern. 137.000 Studierende haben eine studienerschwerende Beeinträchtigung. 10 % wohnen im Wohnheim.

Dies sind nur einige Zahlen und Fakten aus der 20. Sozialerhebung des Deutschen Studentenwerks (DSW), der größten und traditionsreichsten Studierendenbefragung in Deutschland. Mehr als 15.000 Studierende von 227 Hochschulen beteiligten sich im Sommer 2012 an der Befragung. Jetzt wurden die Ergebnisse veröffentlicht. Die wichtigsten Befunde haben wir für euch zusammengefasst:

Wenig Chancengleichheit beim Zugang zur Hochschule
In Deutschland entscheidet noch immer die soziale Herkunft über den Bildungsweg. Eine deutsche Bildungsbiografie besteht aus einer Mehrfachselektion, in deren Ergebnis die Chancen der Kinder von Akademikern und der von Nicht-Akademikern auseinanderdriften. Das zeigt der ‘Bildungstrichter’ der 20. Sozialerhebung: Von 100 Akademiker-Kindern studieren 77; von 100 Kindern aus Familien ohne akademischen Hintergrund schaffen nur 23 den Sprung an eine Hochschule.

BAföG eine der drei Säulen der Studienfinanzierung
Die eigentlichen Säulen der Studienfinanzierung sind nach wie vor der Elternunterhalt, der Nebenjob und das BAföG. 87 % der Studierenden werden von ihren Eltern unterstützt, knapp zwei Drittel jobben neben dem Studium, ein Viertel erhält BAföG. Stipendien und Studienkredite spielen nur eine untergeordnete Rolle. 4 % erhalten ein Stipendium, 6 % greifen auf einen Studienkredit zurück. Die durchschnittliche Höhe der Stipendien beträgt 336 Euro im Monat. Zum Vergleich: Das durchschnittliche studentische Budget beträgt 864 Euro im Monat.

Bologna: Die “Reform der Reform” beginnt zu greifen
Das DSW deutet den leichten Rückgang von zeitlicher Belastung und Erwerbstätigenquote, wie sie in der neuen Sozialerhebung dargestellt sind, als Beleg dafür, dass die von den Studierenden in den Jahren 2009 und 2010 in Protesten artikulierte Kritik an Bachelor/Master zu Verbesserungen geführt hat. Im Sommer 2009, als die 19. DSW-Sozialerhebung durchgeführt wurde, wendeten die Studierenden im Durchschnitt 44 Stunden in der Woche für Studium und Nebenjob auf. Im Sommer 2012, bei der Befragung zur 20. Sozialerhebung, sind es insgesamt 42 Stunden, 35 Stunden fürs Studium und sieben Stunden für den Nebenjob. Die Erwerbstätigenquote ging bei den Studierenden im Erststudium von 66 % auf 61 % zurück.

Kapazitätsengpässe bei Wohnheimen und Mensen – soziale Infrastruktur muss ausgebaut werden
Gemäß der 20. Sozialerhebung ist die Quote derjenigen Studierenden, die im Wohnheim wohnen, gegenüber dem Jahr 2009 von 12 % auf 10 % spürbar gesunken. Der Anteil der Studierenden, die die Mensen der Studentenwerke nutzen, ging von 85 % auf 82 % zurück. “Die Ergebnisse unterstreichen, wie dringend die soziale Infrastruktur ausgebaut werden muss. Bund und Länder müssen den Studentenwerken dringend zusätzliche Mittel bereitstellen”, fordert Achim Meyer auf der Heyde, Generalsekretär des DSW. Die Angebotsengpässe mit Wartelisten für Wohnheime und Warteschlangen in den Mensen unterstreichen, dass zukünftig nicht nur Gelder für zusätzliche Studienplätze zur Verfügung gestellt werden dürfen. Auch die soziale Infrastruktur in den Bereichen Wohnen und Hochschulgastronomie muss endlich mitwachsen.